Di

29

Jun

2010

Hausbootumzug

Qelle: NWZ

Der „Silberfisch“ – das ist das Designer-Hausboot, das seit knapp eineinhalb Jahren „übergangsweise“ am Kopf des Oldenburger Hafens liegt, und für das die Besitzer seit längerem einen endgültigen Liegeplatz gesucht haben (NWZ  berichtete). Die sind rar in Oldenburg – doch nun haben die Möbeldesigner („Confused Direction“) Akkermann und Florian einen gefunden. „Aber nur im Tausch“, berichtet Akkermann. Das seit Winter 1953 am Achterdiek liegende und damals als „Muttis Ruh“ bekannte Schiff muss weichen (weil es kaum mehr als ein Wrack ist), dann darf dort der „Silberfisch“ anlegen. Der wird am Sonnabend vom Hafen aus durch den Küstenkanal und die Schleuse auf die andere Seite des Achterdieks geschleppt und dann per Kran vom Kanal in die Hunte gehoben. 



Während die beiden Designer beim „Abwracken“ alleine schufteten, erfuhren sie von vielen anderen Stellen Unterstützung. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der sich wegen möglicher Beeinträchtigungen der Natur auf und an der Hunte grundsätzlich gegen neue Liegeplätze sperrt, zeigte sich von der „Ersatzlösung“ angetan – und wohl auch vom Engagement der beiden Oldenburger. Nico Steudel, Chef des in Oldenburg am Hafen ansässigen Unternehmens „Rhein-Umschlag“ stellt den beiden ein Schleppschiff nebst Kapitän zur Verfügung – und Oberbürgermeister Gerd Schwandner soll wohl beim Kohlessen in Berlin in Kreisen der Landesverwaltung für das Projekt geworben haben – das Hausboot hatte Oldenburg international in die Schlagzeilen gebracht.

Das alte Schiff, das nun weichen muss, war von 1975 an von der Marinekameradschaft Oldenburg als „Richard Hunger“ genutzt worden, ab 2002 hatte die Haupt- und Realschule Osternburg dort Projekte realisiert, bis das Schiff auseinanderzufallen drohte. Akkermann und Florian übernahmen es – mit der Auflage, das Wrack zu entsorgen. „Natürlich haben wir dabei draufgezahlt“, sagt Akkermann, „aber das ist für uns einfach Herzenssache“. Genauso wie die Rettung der Barsche, Aale und Süßwassermuscheln, die sich in und am Wrack angesiedelt hatten. 

Akkermann bewohnt als Mieter zurzeit das zweite Hausboot am Achterdiek und will in den „Silberfisch“ einziehen, für das andere ist eine Nachfolgelösung in Sicht. Mehr Hausboote wird es am Achterdiek auf keinen Fall geben. Wenn man eine halbe Stunde von Bord aus die Natur beobachtet, muss man dem NLWKN angesichts dieser Entscheidung einfach auch Mal recht geben. 

 

text: thorsten kuchta

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